Kreiszeitung Wesermarsch vom 26.05.2003

1. Nordenhamer Shanty-Festival mit sechs Chören begeistert hunderte von Zuschauern - Programm ohne Wiederholungen

Nordenham. Einmal noch nach Bombay oder Bora-Bora, oder doch lieber zurück nach Hamburg-Altona: Im Festzelt in Großensiel wurde die Welt ganz klein und hatte auf der Bühne Platz. Dort traten sechs Shanty-Chöre auf und nahmen ihr großes Publikum mit an Bord.  - Von unserem Redationsmitglied Ellen Reim - Fotos: er

Der Shanty-Chor NorDer Shanty-Chor Nordenham hatte ein Heimspiel, das die Truppe in bester Manier bestritt.denham, der in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, stellte im Rahmen der Norwo dieses erste Shanty-Festival in der Stadt auf die Beine. Rund 400 Gäste zog es am Sonnabend nach Großensiel, um neben den Nordenhamern auch den Shanty-Chor Barßel, den Shanty-Chor Bootsmannkaffee Brake, den Seemannschor Bremerhaven, den Shanty-Chor Brinkum und den Shanty-Chor Loxstedt zu hören.
Eine so große Zahl von Chören, die jeweils insgesamt 40 Minuten auf der Bühne standen, keine Wiederholungen – da zeigte sich, wie groß der Fundus an Seemannsliedern ist. Denn Seemannslieder eher als Arbeitslieder – Shantys – waren es, die in Großensiel zu hören waren. Fernweh und Heimweh, das Leben an Bord, Gedanken an die Liebste daheim und die verlockenden Schönheiten in aller Welt waren die beherrschenden Themen.
Bei der Auswahl der Gäste bewies der Nordenhamer Shanty-Chor Geschick. Alle Chöre hatten ihren eigenen Stil und präsentierten gut gelaunt und gekonnt ihre Beiträge. So kam keine Langeweile auf, obwohl das Festival mit eine Dauer von fünf Stunden große Ansprüche an das Sitzfleisch der Besucherinnen und Besucher stellte. Die gingen jedoch beMit Klaus Manzau hat Bootsmannkaffee aus Brake einen schwungvollen Entertainer dabei.geistert mit, klatschen und sangen vor allem in der zweiten Hälfte mit und gaben den Organisatoren das Gefühl, mit dem Shanty-Festival eine Marktlücke in Nordenham geschlossen zu haben.
Sozusagen Heimspiele hatten die beiden Gruppen aus der Wesermarsch. Doch das allein hätte wohl nicht genügt, um so großen Jubel auszulösen, wie es dem Shanty-Chor Nordenham und Bootsmannkaffee aus Brake gelang. Die Nordenhamer unter der Leitung von Renate Böger demonstrierten Vielseitigkeit schon bei der Auswahl der Lieder, unter denen „Up she goes“ ebenso war wie die „Kneipe am Moor“, „Mary-Ann“ und „Haul on the bowline“. Mehrere Chormitglieder, darunter Heinz-Jürgen Miek, Jürgen Bley und Klaus Küpper, überzeugten als Solisten.
Alles andere als ein langweiliger Alteherren-Chor ist auch Bootsmannkaffee aus Brake. Während in den anderen Chören Frauen gerne als Dirigentin oder Musikerin auftreten dürfen, keinesfalls aber als Sängerin, hat Bootsmannkaffee eine Ausnahme gemacht: Die sieben Jahre alte Anna-Lena steht ganz vorne und singt mit. „Sie ist unser Maskottchen“, erklärte Chormitglied Hans Uffmann. Die Braker haben noch eine weitere Besonderheit zu bieten: ihren Dirigenten Klaus Manzau. Der gibt nicht nur den Takt an, sondern zieht mit seinen Döntjes und Ringelnatz-Zitaten, dargeboten unter vollem Körperseinsatz, das Publikum sofort auf die Braker Seite.Der Shanty-Chor Loxstedt erntete wie die anderen Gäste begeisterten Applaus.Mit einer rothaarigen "Sirene" beeindruckte der Chor aus Barßel.
Der Shanty-Chor Loxstedt, der bereits einmal in Nordenham mit dem hiesigen Shanty-Chor konzertiert hatte, enttäuschte nicht mit Liedern wie „Leinen los“ und „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ – wobei im Publikum kräftig mitgesungen wurde.
Anders als alle anderen Chöre kam der Shanty-Chor Barßel nur einmal auf die Bühne und legte dabei die geplanten zwei Auftritte zusammen – die Akkordeonistin musste noch zu einer Hochzeit. Die Barßeler hatten eine ziemlich verrufen aussehende „rothaarige Deern“ mit strammen Waden und leichtem Bartwuchs mitgebracht. Singen durfte sie jedoch auch nicht, das erledigten die echten Männer.
Von ihnen jede Menge hat auch der Shanty-Chor Brinkum aufzubieten. Und diese Männer haben Fernweh. So entführte der Chor nach Bora-Bora und zog mit dem Publikum nach Island. Der Seemannschor Bremerhaven – elegant mit weißen Seidenkrawatten – bevorzugte Bombay. Die Bremerhavener stellten dem Publikum ein ganz neues Lied vor. Der Song für die Hansekogge „Ubena von Bremen“ erklang zum ersten Mal außerhalb des Probenraums und kam gut an. Zu Abschluss vereinigten sich alle für eine Lied auf und vor der Bühne. Dass das erste Nordenhamer Shanty-Festival nicht das letzte gewesen sein dürfte, war da schon klar.

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Shanty-Chor Nordenham