Wenn man von Shanties spricht, dann meint man die Arbeitslieder der Seeleute, die zur Sammlung aller körperlichen Kräfte rhythmische Liedseemannslied1er sangen, um sich die harte Arbeit an Bord der alten Windjammer zu erleichtern. Es waren lautmalerische, oftmals abgehackte Gesänge, die bei der Arbeit den Rhythmus geben sollten, manchmal balladenartig, oft frech und meistens nicht zum singen im Mädchenpensionat geeignet. Der Vorarbeiter an der „Vorhand“, auch shanty-man genannt, bezahlte manchen von ihm gesungenen Text mit Repressalien, obwohl er der einzige Mann an Bord war, der die Missstände anprangern durfte. Auch in der seltenen Freizeit der „Teerjacken“, besonders auf den Ankerplätzen, wurde gesungen, während der Wein aus den zerbeulten Teekannen sprudelte. Die Crew war häufig ein Sammelsurium aller seefahrenden Völker der Erde, und ihre Sprache war meist Englisch – oder das, was sie darunter verstanden. Kameradschaft wurde gross geschrieben und Borddisziplin war Gesetz. Angewendet wurde es ohne Ansehen von Hautfarbe, Rasse und Religion. Nach dem ersten Weltkrieg begann das Sterben der großen Windjammer, ihr Kampf um das Überleben ist in den Shanties verankert. Shanty-Chöre auf der ganzen Welt haben es sich zur Aufgabe gemacht, dieses spezifische Liedgut zu pflegen.

Die Herkunft des Begriffes „Shanty“ ist umstritten: Wahrscheinlich ist er von dem französischen Begriff für singen = „chanter“ oder dem ähnlichen, englischen „to shant“ abgeleitet. Shanties sind Wechselgesänge zwischen der Mannschaft und dem an der „Vorhand“ beim „Tau holen“ arbeitenden shanty-man. Jeder shanty-man brachte seine eigenen Variationen ein. So gibt es genügend Beispiele solcher Melodien, die mit unterschiedlichen Texten, Rhythmen und Interpretationsformen bekannt sind.

Die verschiedenen Arbeitsvorgänge erforderten auch verschiedene Formen des Arbeitsgesanges. So beispielsweise die „short haul“ – Shanties, wenn es galt, ein Tau mit kurzen, kräftigen Zügen zu straffen. Oder wenn die Mannschaft beim Heißen der schweren Rahen über das Deck marschierte und auf Kommando stillstand und aufstampfte, sang man einen „stamp and go“ – Shanty. Diese sind besondere Arten des „halyard-shanty“ oder auch „fall-shanty“ genannt. Diese Reihe ließe sich noch lange fortsetzten. Eines jedoch hatten sie alle gemeinsam, sie halfen den Menschen bei ihrer schweren, häufig eintönigen Arbeit und sollten die Kräfte aller Beteiligten zu einem bestimmten Zeitpunkt vereinen.

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Shanty-Chor Nordenham